An´ns Abenteuer  (Auszug)

                                                          " Mais j´aspire, plutôt qu ´à être un arbre, à en être le signe."                                                                                                         Orhan Pamuk, Mon nom est Rouge – Je suis l´arbre.

 

 

Das war bestimmt in Kriegzeit. Am Horizont surrten im Himmel seltsame Kriegsmaschinen, riesige Libellen aus Metall. Trotzdem fühlte ich mich gut. Ich saß auf einer Bank am Ufer eines Sees. In der Umgebung war alles zerstört worden. Es blieb nur ein unendliches Brachland mit Grasflächen, fast eine Wüste. Neben mir saß ein Mann, dessen Gesicht ich nicht sehen konnte. Ich hatte aber  das Gefühl, ihn zu kennen. Ich glaube sogar, dass ich ihn Vertrauen konnte. Wir blieben da, schweigsam, und schauten die blaugrünen Gewässer des Sees. Die Sonne, schon rot, ging langsam vor uns unter. Plötzlich hörten wir Geräusche von Kettenfahrzeugen. Der Mann sagte:" ich glaube, sie kommen, rennen wir fort!" Er nimmt meine Hand und wir fangen an, durch die Felder zu laufen. Ich Läufe, Läufe bis zur Erschöpfung. Außer Atem muss ich seine Hand loslassen. Ich merke sodann, dass ich anfange, jünger und kleiner zu werden. Ich habe Angst und schreie. Er stoppt, kommt zurück und sagt streng zu mir:" An'n, gib mir die Hand!". Sobald er mich berührt, finde ich meine normale Größe wieder und wir rennen weiter. Dann wird er schwach. Er kann nicht weiter. Ich überhole ihn und jetzt muss ich ihn führen. Aber er ist außer Kräfte. Er muss meine Hand loslassen. Er auch fängt an, jünger und kleiner zu werden. Er ruft:"An'n, gib mir die Hand!" ich drehe mich um, er ist nur noch ein Kind. Ich will ihm helfen, seine Hand halten. Aber, im Augenblick, wo ich sie anfasse, höre ich ein dumpfes kurzes Geräusch, wie ein Atem. Er wurde von einer Kugel getroffen. Er ist tot. 

Ist es nicht ein seltsamer Traum? Ich schreckte aus dem Schlaf auf, überzeugt davon, dass das Geräusch, das ich eben gehört hatte, echt war. Aber nein, alles war ruhig. Ich drehte mich im Dünkel zum Wecker. 08.02.3087, 5:32. Zu früh, um aufzustehen. Ich dachte weiter an meinem Traum. Wer war dieser Mann? Und warum hatte mich sein Tod nicht überrascht, als ob alles in Ordnung gewesen wäre?

Fortsetzung folgt

 

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