Pierre Soulages (und Beuys)

 

                                                         Peinture 14 août 1979


Pierre Soulages erzählt in einem Interview mit "Le Monde" sein Treffen mit einem Werk, das ihn besonders berührt hat. In gewissem Sinne sein "Diskus von Phaestos"...

Ich erinnere mich an einem Besuch im Louvre, in jenen Jahren. Ein Werk aus Mesopotamien hat mich sehr stark angesprochen: ich habe mich gefragt warum. Was hatte ich gemeinsam mit der Person, die das geschaffen hatte? Nichts. Was bedeutete das Werk für seine Zeitgenossen, in Bezug auf ihre Kultur, ihre Religion, ihre Sozialordnung? Keine Ahnung. Was war also passiert? Diese Skulptur aus schwarzem Basalt war ein Ding, kein Zeichen. Diese Skulptur ging viel weiter als ein Zeichen und mobilisierte in mir etwas, was in mir war. Man konnte sie nicht auf eine Bedeutung, auf Worte reduzieren. Ein Werk, das sind keine Worte: Wenn man Worte will, dann schreibt man, man malt nicht. Das Malen ist nicht da, um zu sagen."

Er sagt weiter:" Zu dieser Zeit, in 1946, wollten die meisten Maler mit dem Malen ihrer Emotionen experimentieren, eine Art Expressionismus. Sie wollten, dass ihre Werke eine Bedeutung haben. Aber eine Bedeutung ist nicht für immer gegeben: Sie kommt und geht... Man muss akzeptieren, dass das Werk dem Künstler entgleitet. Das ist eine Dreier-Geschichte: Das Werk, der Mensch, der es erschafft und derjenige, der es betrachtet. Der Dritte im Bund - der Betrachter - ist wesentlich. Wie würde man sonst verstehen, dass im 17. und 18. Jahrhundert die romanische Kunst wie verschwunden wäre? Die Abteikirchen sind da, aber niemand betrachtet sie."

Joseph Beuys behauptet auch, radikalerweise: "In der Kunst gibt es absolut nichts zu verstehen, einfach nichts. (...) Wenn Kunst irgendetwas enthielte, das verstanden werden sollte, dann wäre sie überflüssig. Denn diese Aufgabe wird schon von der Wissenschaft wahrgenommen. Auf dem Gebiet der Kunst sollten nur geheimnisvolle Bilder geschaffen werden..."

                                                    Joseph Beuys "Infiltration homogen für Konzertflügel", 1966

Alle Zeichen, alle Handlungen, die ich auf diesen Webseiten beschreibe, können als geheimnisvoll erscheinen. Nicht so sehr als solche, sondern weil sie Emotionen hervorgerufen haben, deren Summe das Ich wird.

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